Moed Katan 44

Kapitel 44

א ממעט על אביו ועל אמו ממעט
1 nicht einschränken, über Vater und Mutter aber muß man sie einschränken.
ב על כל המתים כולן רצה חולץ רצה אינו חולץ על אביו ועל אמו חולץ
2 Wegen [der Trauer] über jeden anderen Toten darf man, wenn man will, [die Schulter] entblößen, und wenn man will, nicht entblößen, über Vater und Mutter aber muß man sie entblößen.
ג ומעשה בגדול הדור אחד שמת אביו וביקש לחלוץ וביקש גדול הדור אחר שעמו לחלוץ ונמנע ולא חלץ
3 Einst wollte ein Großer des Zeitalters, dem sein Vater starb, [die Schulter] entblößen, als aber ein anderer Großer mit ihm ebenfalls [die Schulter] entblößen wollte, unterließ er es und entblößte sie nicht.
ד אמר אביי גדול הדור רבי גדול הדור שעמו ר' יעקב בר אחא ואיכא דאמרי גדול הדור ר' יעקב בר אחא גדול הדור שעמו רבי
4 Abajje sagte: Der Große des Zeitalters ist Rabbi, der andere Große mit ihm ist R. Ja͑qob b. Aha. Manche sagen: Der Große des Zeitalters ist R. Ja͑qob b. Aḥa, der andere Große mit ihm ist Rabbi. –
ה בשלמא למ"ד גדול הדור שעמו רבי היינו דנמנע ולא חלץ
5 Erklärlich ist es, daß er es unterlassen und [die Schulter] nicht entblößt hat, nach demjenigen, welcher sagt, der andere Große mit ihm sei Rabbi, weshalb aber unterließ er es und entblößte [die Schulter] nicht,
ו אלא למ"ד רבי יעקב בר אחא אמאי נמנע ולא חלץ רשב"ג נשיא הוה וכולי עלמא מיחייבי למיחלץ קשיא
6 nach demjenigen, welcher sagt, es sei R. Ja͑qob b. Aha, R. Šimo͑n b. Gamliél war ja Fürst, über den alle [die Schulter] entblößen müssen!? – [Ein Einwand.]
ז על כל המתים כולן מסתפר לאחר ל' יום על אביו ועל אמו עד שיגערו בו חבריו על כל המתים כולן נכנס לבית השמחה לאחר ל' יום על אביו ועל אמו לאחר י"ב חדש
7 [Während der Trauer] über jeden anderen Toten darf man sich das Haar nach dreißig Tagen scheren, über Vater und Mutter erst, wenn seine Genossen über ihn schelten. [Während der Trauer] über jeden anderen Toten darf man nach dreißig Tagen ein Festmahl besuchen, über Vater und Mutter erst nach zwölf Monaten.
ח אמר רבה בר בר חנה ולשמחת מריעות מיתיבי ולשמחה ולמריעות ל' יום קשיא
8 Rabba b. Bar Ḥana sagte: Nur ein Geselligkeitsmahl. Man wandte ein: Ein Festmahl und ein Geselligkeitsmahl!? –
ט אמימר מתני הכי אמר רבה בר בר חנה ולשמחת מריעות מותר ליכנס לאלתר והא תניא לשמחה שלשים ולמריעות שלשים
9 Dies ist ein Einwand. Amemar lehrte es wie folgt: Rabba b. Bar Ḥana sagte: Ein Geselligkeitsmahl darf man sofort besuchen. – Es wird ja aber gelehrt: Ein Festmahl nach dreißig [Tagen] und ein Geselligkeitsmahl nach dreißig [Tagen]!? –
י ל"ק הא באריסותא הא בפורענותא
10 Das ist kein Einwand; das eine gilt von einer Einladung und das andere gilt von einer Revanche.
יא על כל המתים כולן קורע טפח על אביו ועל אמו עד שיגלה את לבו א"ר אבהו מאי קרא (שמואל ב א, יא) ויחזק דוד בבגדיו ויקרעם ואין אחיזה פחות מטפח
11 Wegen jedes anderen Toten reiße man eine Handbreite ein, wegen eines Vaters und einer Mutter, bis man das Herz entblößt hat. R. Abahu sagte: Welcher Schriftvers deutet hierauf? <i>Da erfaßte David seine Kleider und zerriß sie</i>, und unter einer Handbreite heißt es kein Anfassen.
יב על כל המתים כולן אפילו לבוש עשרה חלוקין אינו קורע אלא עליון על אביו ועל אמו קורע את כולן ואפיקרסותו אינה מעכבת
12 Wegen jedes anderen Toten braucht man, selbst wenn man zehn Gewänder anhat, nur das obere einzureißen, wegen eines Vaters und einer Mutter aber muß man sie alle einreißen; bei der Kopfhülle ist es nicht unerläßlich.
יג אחד האיש ואחד אשה ר"ש בן אלעזר אומר האשה קורעת את התחתון ומחזירתו לאחוריה וחוזרת וקורעת את העליון
13 Dies gilt sowohl vom Manne als auch von der Frau. R. Šimo͑n b. Elea͑zar sagt, die Frau reiße zuerst das untere Gewand ein und drehe [den Riß] nach hinten, dann reiße sie das obere ein.
יד על כל המתים כולן רצה מבדיל קמי שפה שלו רצה אינו מבדיל על אביו ועל אמו מבדיל
14 Wegen jedes anderen Toten darf man, wenn man will, die Halsöffnung teilen, und wenn man will, nicht teilen, wegen eines Vaters und einer Mutter aber muß man sie teilen.
טו רבי יהודה אומר כל קריעה שאינו מבדיל קמי שפה שלו אינו אלא קרע של תיפלות אמר רבי אבהו מ"ט דר' יהודה דכתיב (מלכים ב ב, יב) ויחזק בבגדיו ויקרעם לשנים קרעים ממשמע שנאמר ויקרעם איני יודע שהן לשנים אלא שנראין קרועים כשנים
15 R. Jehuda sagt: Ein Riß, der nicht richtig die Halsöffnung teilt, ist nur ein Scheinriß. R. Abahu sagte: Was ist der Grund R. Jehudas? Es heißt: <i>da erfaßte er seine Kleider und zerriß sie in zwei Stücke</i>. Wenn es heißt: ‘und zerriß sie’, so weiß ich ja, daß er sie entzweireißt!? Vielmehr, sie müssen in zwei Teile durchgerissen zu sehen sein.
טז על כל המתים כולן שולל לאחר שבעה ומאחה לאחר שלשים על אביו ועל אמו שולל לאחר ל' ואינו מאחה לעולם והאשה שוללתו לאלתר מפני כבודה
16 Wegen jedes anderen Toten darf man [das Gewand] nach sieben Tagen zusammenheften und nach dreißig Tagen zusammennähen; wegen eines Vaters und einer Mutter darf man es erst nach dreißig Tagen zusammenheften und niemals zusammennähen. Eine Frau darf es sofort zusammenheften, des Anstands wegen.
יז כי אתא רבין א"ר יוחנן על כל המתים רצה קורע ביד רצה קורע בכלי על אביו ועל אמו ביד
17 Als Rabin kam, sagte er im Namen R. Joḥanans: Wegen jedes anderen Toten darf man [das Gewand], wenn man will, mit der Hand einreißen, und wenn man will, mit einem Geräte einreißen, wegen eines Vaters und einer Mutter nur mit der Hand.
יח וא"ר חייא בר אבא א"ר יוחנן על כל המתים כולן מבפנים על אביו ועל אמו קורע מבחוץ אמר רב חסדא וכן לנשיא
18 R. Ḥija b. Abba sagte im Namen R. Joḥanans: Wegen jedes anderen Toten darf man innen einreißen, wegen eines Vaters und einer Mutter nur außen. R. Ḥisda sagte: Dasselbe gilt auch von einem Fürsten.
יט מיתיבי לא הושוו לאביו ולאמו אלא לאיחוי בלבד
19 Man wandte ein: Sie gleichen Vater und Mutter nur hinsichtlich des Zusammennähens.
כ מאי לאו אפילו לנשיא לא לבר מנשיא
20 Dies bezieht sich wohl auch auf einen Fürsten!? – Nein, mit Ausnahme des Fürsten.
כא נשיאה שכיב א"ל רב חסדא (לרב חנן בר רבא) כפי אסיתא וקום עלה ואחוי קריעה לעלמא
21 Als einst der Fürst starb, sprach R. Ḥisda zu R. Ḥanan b. Raba: Stülpe den Trog um, stelle dich darauf und zeige dem Volke das Einreißen.
כב על חכם חולץ מימין על אב ב"ד משמאל על נשיא מכאן ומכאן
22 Wegen eines Gelehrten entblöße man [die Schulter] rechts, wegen eines Gerichtsoberhauptes links, und wegen eines Fürsten da und dort.
כג ת"ר חכם שמת בית מדרשו בטל אב ב"ד שמת כל בתי מדרשות שבעירו בטילין ונכנסין לביהכ"נ ומשנין את מקומן היושבין בצפון יושבין בדרום היושבין בדרום יושבין בצפון נשיא שמת בתי מדרשות כולן בטילין ובני הכנסת נכנסין לבית הכנסת
23 Die Rabbanan lehrten: Stirbt ein Gelehrter, so feiere sein Lehrhaus. Stirbt ein Gerichtsoberhaupt, so feiern alle Lehrhäuser in der Stadt, im Bethause wechsle man die Plätze: die sonst nördlich sitzen, setzen sich südlich, und die sonst südlich sitzen, setzen sich nördlich. Stirbt ein Fürst, so feiern sämtliche Lehrhäuser; im Bethause